Grenzen der Archive

Teilprojekt 1

„Mediale Re-Inszenierungen als wissenschaftliche Technik der Werkdokumentation“  (Stephanie Sarah Lauke)

Fokus des Teilprojekts “Mediale Re-Inszenierungen als wissenschaftliche Technik der Werkdokumentation" ist die Dokumentation und Archivierung von Videoinstallationen seit den 1960er Jahren durch die massenmedialen Dispositive Kino, Fernsehen und World Wide Web.

Videoinstallationen sind hinsichtlich ihrer raumzeitlichen, performativen und kontextspezifische Qualitäten Bewegtbilder und Ton zu präsentieren, in die Nähe der Aufführungskünste zu stellen. Das Paradox der Dokumentation solcher mit Reproduktionstechnologien ausgestatteten Installationen manifestiert sich in ihrer Nicht-Reproduzierbarkeit. Film und Video als Reproduktionstechnologie, die ebenso wie die Fotografie paradigmatisch für das Dokumentarische und Archivarische stehen, stoßen bei Videoinstallationen an ihre Grenzen. Die Grenze liegt hierbei nicht in der Desavouierung des traditionellen Repräsentationsbegriffs, sondern in den medialen Bedingungen der kunstwissenschaftlichen Dokumentationsmodi Installationsansicht, Standbild und Werkbeschreibung, die den phänomenologischen Qualitäten von Videoinstallationen zuwider laufen. Das Paradox der Dokumentation macht es erforderlich, Videoinstallationen in neue mediale Präsentations- und Rezeptionszusammenhänge zu stellen und zu re-inszenieren, um sie in ihrer vielfältigen Dimension wie Phänomenologie dokumentieren zu können.

Im Projekt werden anhand exemplarischer Fallbeispiele aus Künstlerbiografien, Fernsehbeiträgen und Onlinevideos historische und aktuelle Re-Inszenierungen von Videoinstallationen untersucht. Zum einen werden dabei synchron die medialen Re-Inszenierungen und ihre Potenziale analysiert, zum anderen werden diachron bisher fehlende kunsthistorische, massenmediale und künstlerische Dokumentationsgeschichten von Videoinstallationen nachgezeichnet. Ziel ist, den Quellenkorpus von Videoinstallationen um den der medialen Re-Inszenierungen zu erweitern und kritisch auf das bisher in der Kunstwissenschaft operationalisierte Quellen- und Archivmaterial rückzuspiegeln.

Stephanie Sarah Lauke war von März 2012 bis September 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt. Sie kann weiterhin unter lauke(at)khm.de kontaktiert werden.

 

 

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