Grenzen der Archive

Konzept und Zielsetzung

Durch das Zusammentreffen von Archiv und zeitbasierter Kunst hat das Archivarische sowohl eine Krise als auch neue Impulse erfahren. Aktuell führen in Kunst und Kunstwissenschaft zwei Herausforderungen an die Grenzen des Archivs: Zum einen gilt es ephemere Kunstprojekte archivarisch zu erschließen, zum anderen integrieren KünstlerInnen archivarische Materialien vermehrt in ihre Arbeiten. Diese künstlerischen Praktiken fordern die Konzepte des Archivarischen heraus und liefern den wissenschaftlichen Archivierungspraktiken von Kunst neue Impulse. Die zeitgenössische Kunst, so die Forschungsthese, versteht sich als eine experimentelle Befragung der Funktionen und Konventionen des Archivs. Sie stellt Fragen nach den Grenzen des Archivs bezüglich des Bewahrens und Systematisierens, Zugänglich- und Sichtbarmachens, insofern Ontologien und Normen festgeschrieben und willkürliche Schnitte durch räumliche, zeitliche und soziale Kontexte gesetzt werden. Dabei setzt sich die zeitgenössische Kunst selbstreflexiv mit ihrer eigenen, archivierten Geschichte auseinander. Das Ziel des Forschungsvorhabens ist es, den Beitrag der KünstlerInnen in der Debatte um die Archive anhand zweier Teilprojekte zu untersuchen. Das Teilprojekt "Mediale Re-Inszenierungen" erforscht die historische und zeitgenössische Dokumentation von Videoinstallationen aus medialer und künstlerischer Perspektive. Das Teilprojekt "Künstlerische Re-Inszenierungen" untersucht künstlerische Strategien im Umgang mit Archivmaterialien bei zeitgenössischen KünstlerInnen als aktive Auseinandersetzung mit den Grenzen des Archivs.

Das Arbeitsprogramm ist auf drei Jahre angelegt. Beide Teilprojekte durchlaufen das Programm in zwei aufeinanderfolgenden Phasen, einer empirischen Phase 1 und einer Phase 2 der Auswertung und Theoriebildung. Die empirischen Untersuchungen in Phase 1 bestehen einerseits aus exemplarischen Fallstudien zur Dokumentation und Archivierung von Kunstprojekten in Museen und Sammlungen, andererseits aus leitfadengestützten Experteninterviews mit KünstlerInnen und KuratorInnen. Die Analysen und Interviews geben Aufschluss über historische und aktuelle Praktiken und Kriterien der Archivierung, materiale und strukturelle Herausforderungen im Dokumentations- und Archivierungsprozess und  Potentiale neuer medialer und künstlerischer Strategien. Die Phase 2 der Auswertung und Theoriebildung leitet aus den Ergebnissen und herausgelösten Kriterien des empirischen Projektteils eine offene Matrix der medialen und künstlerischen Gestaltungs- und Kontextualisierungspraktiken des Archivs ab, um diese theoriebildend auf das Archiv rückzuspiegeln und einen Beitrag zur Erweiterung der bisherigen Grenzen des Archivs zu liefern.

 

 

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